Übersetzung — Tafsir
Bedeutung der Wörter in diesem Vers:
- "Talaqtumūhunna": Ihr habt ihnen die Scheidung gegeben (die Scheidung ausgesprochen).
- "Min qabli an tamassūhunna": Bevor ihr sie berührt habt – gemeint ist hier der Geschlechtsverkehr (die Ehe vollzogen habt).
- "Faradtum lahunna farīdatan": Ihr habt ihnen eine festgelegte Morgengabe (Brautgabe/Mahr) bestimmt und verbindlich festgesetzt.
- "Yaʿfūna": Sie (die Frauen) verzichten (auf ihren Anspruch auf die Hälfte der Morgengabe).
- "Alladhī bi-yadihi ʿuqdatun-nikāḥ": Derjenige, in dessen Hand der Ehevertrag (die Entscheidungsgewalt über die Ehe) liegt – nach der Mehrheit der Gelehrten ist dies der Ehemann selbst.
- "Al-faḍl": Die Güte, die Großzügigkeit und das Wohltun über das Pflichtmaß hinaus.
Die Auslegung des Verses:
Wenn ihr euch von euren Ehefrauen scheidet, bevor ihr die Ehe mit ihnen vollzogen habt, und ihr habt ihnen bereits eine bestimmte Morgengabe (Mahr) festgesetzt, dann ist es eure Pflicht, ihnen die Hälfte dieser festgesetzten Morgengabe zu geben. Dies ist ein verbindliches Recht der Frau.
Allerdings gibt es zwei Ausnahmen, in denen diese Hälfte nicht ausgezahlt wird: Die erste Ausnahme ist, dass die Frau selbst freiwillig auf ihren Anspruch auf diese Hälfte verzichtet – vorausgesetzt, sie ist mündig und urteilsfähig. Die zweite Ausnahme ist, dass der Ehemann (oder nach einer anderen Rechtsmeinung der Vormund der Frau) großzügig ist und der Frau die gesamte Morgengabe zukommen lässt, obwohl er nur zur Hälfte verpflichtet wäre.
Dann richtet sich der Vers an alle – Männer und Frauen – und fordert sie auf, einander zu vergeben und nachsichtig zu sein. Das gegenseitige Verzeihen und der Verzicht auf das eigene Recht bringen den Menschen näher zur Gottesfurcht (Taqwa), denn es reinigt das Herz von Groll und Selbstsucht und stärkt die Bande der Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit.
Der Vers schließt mit einer eindringlichen Ermahnung: Vergesst nicht die Güte und Großzügigkeit untereinander! Das bedeutet, dass ihr einander mit Wohltaten behandelt, über das hinausgeht, was euch auferlegt ist, und einander mit Milde und Nachsicht begegnet. Denn Allah sieht alles, was ihr tut – nichts bleibt Ihm verborgen, und Er wird jeden entsprechend seinem Handeln belohnen.
Die daraus abgeleiteten Lehren und Nutzen:
- Die Scharia wahrt die Rechte der Frau auch nach der Scheidung: Sie hat ein garantiertes Anrecht auf einen Teil der Morgengabe, selbst wenn die Ehe nicht vollzogen wurde. Dies zeigt den hohen Stellenwert der Frau im Islam und den Schutz ihrer finanziellen Rechte.
- Der Islam ermutigt zur Großzügigkeit und zum Verzicht: Der Vers lobt diejenigen, die über das Pflichtmaß hinausgeben und auf ihr eigenes Recht verzichten. Dies öffnet die Türen zur Güte und zum gegenseitigen Wohlwollen zwischen den Menschen.
- Die Nähe zu Allah wird durch Vergebung erreicht: Wahre Gottesfurcht (Taqwa) zeigt sich nicht nur im Gebet und Fasten, sondern auch im Umgang mit anderen – besonders in schwierigen Situationen wie einer Trennung. Wer verzeiht, steht Allah näher.
- Der Islam baut Brücken statt Mauern: Selbst bei einer Scheidung – einem der schwierigsten Ereignisse im Leben – fordert der Islam dazu auf, mit Anstand und Großzügigkeit zu handeln, damit keine Feindschaft und kein Groll zurückbleiben. So wird die Tür für Versöhnung und ein friedliches Miteinander offen gehalten.
- Allahs Wissen ist allumfassend: Der Vers erinnert uns daran, dass Allah unser Tun sieht und kennt. Dies ist ein Ansporn, stets das Gute zu tun und im Verborgenen wie im Offenen rechtschaffen zu handeln, denn nichts bleibt unbelohnt.
📜 Vers 235-239 — Al-Baqara
Übersetzung — Al-Baqara 237
Sure Vers 237/286 — Al-Baqara البقرة (Medinensisch). Lesen Anhören Übersetzung (Deutsch). Anhören: Al-Baqara Anhören, Al-Baqara Übersetzung, Al-Baqara mp3, Al-Baqara pdf. Vers 235–239. Auf Deutsch: English.
Heiliger Koran
Tuesday, August 18, 2026
Vergesst uns nicht in euren aufrichtigen Gebeten








