Übersetzung — Tafsir
Bedeutung der Schlüsselbegriffe:
- Qintār (قِنطَار): Eine sehr große Menge an Vermögen oder Reichtum, ein Maß für eine enorme Geldsumme.
- Dīnār (دِينَار): Eine kleine, geringe Geldmenge, eine Münze von geringem Wert.
- Al-Ummiyyūn (الأُمِّيِّين): Diejenigen, die keine Schrift besitzen; gemeint sind hier die Araber, die keine offenbarte Schrift hatten.
- Sabīl (سَبِيل): Wörtlich „Weg"; hier im Sinne von „Schuld, Sünde, Vorwurf oder Rechenschaftspflicht".
Erläuterung des Verses:
Dieser Vers zeigt die widersprüchliche Natur mancher Leute von den Schriftbesitzern (den Juden) in Bezug auf ihre Vertrauenswürdigkeit. Er teilt sie in zwei Gruppen ein:
Die erste Gruppe: Es gibt unter ihnen solche, die, wenn du ihnen eine enorme Menge an Vermögen (einen Qintār) anvertraust, es dir getreu und vollständig zurückgeben, ohne dass du sie daran erinnern oder Druck ausüben musst. Ein Beispiel dafür ist ʿAbdullāh ibn Salām, der für seine Ehrlichkeit bekannt war.
Die zweite Gruppe: Es gibt unter ihnen andere, die, wenn du ihnen auch nur einen einzigen Dīnār (eine kleine Münze) anvertraust, ihn dir nicht zurückgeben, es sei denn, du bleibst hartnäckig und beharrlich in deiner Forderung und stehst ständig über ihnen, um dein Recht einzufordern. Sobald du nachlässt oder dich abwendest, verweigern sie die Rückgabe.
Der wahre Grund für dieses Verhalten: Dieser Vertrauensbruch und diese Unehrlichkeit haben eine tiefe, in ihrem Glauben verwurzelte Ursache. Sie glauben und sagen: „Wir sind nicht verpflichtet, den Unwissenden (den Arabern) gegenüber Rechenschaft abzulegen." Sie betrachten es als rechtmäßig, das Vermögen der Araber und aller, die nicht ihrer Religion angehören, zu nehmen, und sie sehen darin keine Sünde. Sie behaupten, dass Gott ihnen dies in ihrer Schrift erlaubt habe.
Die schwere Anklage: Der Vers betont, dass diese Behauptung eine reine Lüge gegen Gott ist. Sie sagen diese Worte über Gott, obwohl sie genau wissen, dass sie lügen und dass Gott dies in ihrer Schrift niemals erlaubt hat. Sie verdrehen die Wahrheit wissentlich, um ihre Habgier und ihren Betrug zu rechtfertigen.
Lehren und Nutzen aus diesem Vers:
- Gerechtigkeit ist nicht an Religion gebunden: Der Vers zeigt, dass Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit nicht bei allen Anhängern einer Gruppe gleich sind. Es gibt unter den Schriftbesitzern sowohl Ehrliche als auch Unehrliche. Dies lehrt uns, Menschen nach ihrem individuellen Charakter zu beurteilen, nicht nach ihrer Gruppenzugehörigkeit.
- Die Gefahr der Verfälschung der Religion: Der Vers warnt eindringlich davor, die Religion zu missbrauchen, um weltliche Vorteile zu erlangen oder Sünden zu rechtfertigen. Diejenigen, die ihre falschen Überzeugungen Gott zuschreiben, begehen eine schwere Sünde, besonders wenn sie es wissentlich tun.
- Die Bedeutung der Ehrlichkeit im Islam: Der Islam legt größten Wert auf Ehrlichkeit und die Erfüllung von anvertrauten Gütern (Amāna), unabhängig davon, ob der Vertragspartner Muslim ist oder nicht. Ein wahrer Muslim ist derjenige, der sein Wort hält und das ihm Anvertraute getreu zurückgibt.
- Die Aufdeckung von Heuchelei: Der Vers lehrt uns, die wahren Motive hinter den Handlungen der Menschen zu erkennen. Manchmal verbergen sich hinter frommen Sprüchen unreine Absichten. Der Quran deckt diese auf, um die Gläubigen zu schützen und zu warnen.
- Die Überlegenheit des islamischen Charakters: Indem der Quran diese negativen Eigenschaften bei anderen erwähnt, betont er indirekt die hohen moralischen Standards, die der Islam für seine Anhänger festgelegt hat – nämlich Treue, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit in allen Angelegenheiten, sowohl gegenüber Freunden als auch gegenüber Feinden.
📜 Vers 73-77 — Al-Imran
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Tuesday, August 18, 2026
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