Übersetzung — Tafsir
Bedeutung der Wörter:
- ʿalā schaiʾ: wörtlich „auf etwas sein“ – gemeint ist: auf einer wahren, richtigen Religion sein.
- yatlūna l-kitāb: sie lesen/rezitieren die Schrift (die Tora bzw. das Evangelium).
- lā yaʿlamūn: diejenigen, die kein Wissen haben – hier: die unwissenden Heiden (Muschrikūn) und jene, die keine Offenbarung erhalten haben.
- yaḥkumu: Er richtet/entscheidet mit Gerechtigkeit.
Erläuterung des Verses:
In diesem edlen Vers berichtet Allah von einem erstaunlichen Widerspruch, der unter den Menschen der Schrift herrschte: Die Juden behaupteten, die Christen hätten keine wahre Religion und stünden auf nichts Gutem. Die Christen wiederum erwiderten dasselbe über die Juden – jeder der beiden Gruppen sprach der anderen jegliche Wahrheit und Rechtleitung ab. Und dies geschah, obwohl beide Gruppen ihre heiligen Schriften – die Tora und das Evangelium – lasen und rezitierten! In diesen Schriften aber war ihnen geboten worden, an alle Propheten und Gesandten Allahs zu glauben, ohne zwischen ihnen zu unterscheiden. So widersprachen sie mit ihren Aussagen dem, was sie selbst in ihren Büchern vorfanden.
Dann macht Allah eine wichtige Feststellung: Genau wie diese beiden Gruppen taten, sprachen auch diejenigen, die kein Wissen und keine Offenbarung hatten – nämlich die heidnischen Araber und andere – ähnliche Worte. Sie leugneten alle Gesandten und alle offenbarten Bücher und erklärten jede Religion für nichtig. Damit zeigt Allah, dass diese Haltung – die Religion anderer pauschal für wertlos zu erklären – nicht nur bei den Leuten der Schrift zu finden war, sondern auch bei den Unwissenden unter den Heiden.
Am Ende des Verses weist Allah auf die gerechte Lösung hin: Er selbst wird am Tag der Auferstehung zwischen ihnen richten und entscheiden, wer auf der Wahrheit war und wer nicht. Er wird jeden nach seinen Taten belohnen oder bestrafen und die Wahrheit über all das offenlegen, worüber sie in dieser Welt gestritten haben.
Lehren und Nutzen aus diesem Vers:
- Wahre Religion ist nicht das Ergebnis von Behauptungen oder Fanatismus, sondern von Wissen und Wahrheit. Wer die Religion anderer für nichtig erklärt, ohne Beweis und ohne Wissen, folgt nur seiner eigenen Voreingenommenheit.
- Das Lesen der heiligen Schriften allein genügt nicht – entscheidend ist, dass man dem folgt, was darin steht. Die Leute der Schrift lasen ihre Bücher, aber sie handelten nicht nach dem, was ihnen darin geboten war.
- Muslime sollen sich von dieser Haltung fernhalten: Sie sollen nicht die Religion anderer pauschal verurteilen, sondern mit Weisheit und guter Argumentation zum Islam einladen und die Wahrheit mit klaren Beweisen darlegen.
- Gerechtigkeit gehört zu Allah allein: Niemand kann das endgültige Urteil über die Menschen fällen – das bleibt Allah am Tag des Jüngsten Gerichts vorbehalten. Dies lehrt uns Demut und Zurückhaltung im Urteilen über andere.
- Der Islam vereint alle Propheten und Bücher: Ein Muslim glaubt an alle Gesandten und an alle offenbarten Schriften – ohne Unterschied. Diese umfassende Haltung ist ein Zeichen der Vollkommenheit des Islam und eine Einladung zur Einheit statt zur Spaltung.
📜 Vers 111-115 — Al-Baqara
Übersetzung — Al-Baqara 113
Sure Al-Baqara Vers 113 - Lesen, Anhören, Übersetzung, Deutsch : Die Juden sagen: "Auf nichts fußen die Christen"; und die…Sure Vers 113/286 — Al-Baqara البقرة (Medinensisch). Lesen Anhören Übersetzung (Deutsch). Anhören: Al-Baqara Anhören, Al-Baqara Übersetzung, Al-Baqara mp3, Al-Baqara pdf. Vers 111–115. Auf Deutsch: English.
Heiliger Koran
Tuesday, August 18, 2026
Vergesst uns nicht in euren aufrichtigen Gebeten








