Übersetzung — Tafsir
Bedeutung der Wörter:
- Manāsik (مناسك): Die Rituale und Gottesdienste der Pilgerfahrt (Hadsch), einschließlich der Opferungen und der weiteren vorgeschriebenen Handlungen.
- Dhikr (ذكر): Das Gedenken an Allah durch Lobpreis, Bittgebete und das Erwähnen Seiner Namen und Taten.
- Khilāq (خلاق): Der Anteil oder das Los an Gutem; hier gemeint als der Anteil am Paradies und an der Belohnung im Jenseits.
Erläuterung des Verses:
Nachdem Allah die Gläubigen zuvor an die vorgeschriebenen Zeiten des Gedenkens während der Pilgerfahrt erinnert hat, fordert Er sie nun auf, nach dem Abschluss aller Rituale – vom Werfen der Steine bis zum Opfern – das Gedenken an Allah fortzusetzen und zu vermehren. Dieses Gedenken soll dem ähneln, wie die Araber vor dem Islam die Taten und Vorzüge ihrer Vorfahren priesen, ja es soll sogar noch intensiver und ausdauernder sein. Denn alle Gaben und Gnaden, die ein Mensch genießt, stammen von Allah allein, und so gebührt Ihm der höchste Lobpreis.
Anschließend weist der Vers auf die unterschiedlichen Absichten der Menschen hin: Manche Menschen – insbesondere jene, die nicht an das Jenseits glauben – richten ihre Bitten ausschließlich auf das Diesseits. Sie bitten um Gesundheit, Reichtum, Kinder und weltliche Güter, ohne an das zu denken, was bei Allah für die Gläubigen bereitliegt. Solche Menschen haben im Jenseits keinen Anteil am Guten, denn sie haben sich selbst davon ausgeschlossen, indem sie das Diesseits über das Jenseits stellten und ihre Herzen allein an die vergängliche Welt hängten.
Lehren und Nutzen aus dem Vers:
- Das Gedenken an Allah ist nicht auf bestimmte Zeiten beschränkt, sondern soll den Gläubigen in allen Lebenslagen begleiten – besonders nach dem Abschluss großer Gottesdienste, damit die Dankbarkeit und das Bewusstsein für Allahs Gnaden lebendig bleiben.
- Die Wertschätzung der Eltern und Vorfahren ist gut, doch das Gedenken an Allah muss darüber stehen. Der Schöpfer hat mehr Anspruch auf Lob und Dank als jedes Geschöpf.
- Die Absicht macht den Wert der Tat aus: Wer nur das Diesseits anstrebt, wird im Jenseits leer ausgehen. Der Gläubige hingegen verbindet seine Bitten mit der Hoffnung auf das ewige Leben und bittet Allah um das Gute in beiden Welten.
- Der Islam lehrt eine ausgewogene Haltung: Der Mensch darf um weltliche Güter bitten, doch sein Herz soll nicht daran hängen, sondern auf Allah und Seine Belohnung ausgerichtet bleiben. So wird das Diesseits zum Weg, nicht zum Ziel.
- Der Vers warnt vor Kurzsichtigkeit: Wer nur die vergängliche Welt sieht, verliert das ewige Glück. Der wahre Erfolg liegt darin, das Diesseits für das Jenseits zu nutzen und Allah in allem zu gedenken.
📜 Vers 198-202 — Al-Baqara
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