Übersetzung — Tafsir
Erklärung der Wörter:
- سَمَّاعُونَ لِلْكَذِبِ: Sie hören eifrig auf Lügen und nehmen sie bereitwillig an, sei es, indem sie sie erfinden, verbreiten oder ihnen Glauben schenken.
- أَكَّالُونَ لِلسُّحْتِ: Sie verschlingen in großem Maße verbotenes Gut, wie Bestechungsgelder, Zins (Riba) und unrechtmäßig erworbenen Besitz. „As-Suht" ist das Verbotene, das denjenigen, der es nimmt, mit Schande bedeckt und dessen Segen entzieht.
- فَاحْكُم بَيْنَهُمْ أَوْ أَعْرِضْ عَنْهُمْ: Urteile zwischen ihnen, wenn sie zu dir kommen, oder wende dich von ihnen ab, ohne zu urteilen.
- بِالْقِسْطِ: Mit vollkommener Gerechtigkeit und Ausgewogenheit, ohne Bevorzugung oder Benachteiligung.
- الْمُقْسِطِينَ: Diejenigen, die in ihren Urteilen und Entscheidungen gerecht handeln.
Tafsir (Ausführliche Erläuterung):
Diese Verse beschreiben eine Gruppe von Juden, die zur Zeit des Propheten Muhammad (Friede und Segen seien auf ihm) lebten. Sie waren bekannt für zwei abscheuliche Eigenschaften: Sie lauschten begierig auf Lügen und falsche Aussagen, und sie verschlangen gierig verbotenes Gut, wie Bestechungsgelder und Zins. Diese Charakterzüge machten sie zu Menschen, die weder Gott noch den Propheten respektierten, sondern nur ihren eigenen niederen Begierden folgten.
Wenn solche Menschen zum Propheten kamen, um zwischen ihnen zu richten, gab Gott ihm die Wahl: Entweder er richtete zwischen ihnen oder er lehnte es ab, sich in ihre Angelegenheiten einzumischen. Diese Wahl war eine Gnade Gottes, denn sie zeigte, dass der Prophet nicht gezwungen war, über Menschen zu richten, die ohnehin keine Gerechtigkeit anstrebten. Wenn er sich jedoch entschied, nicht zwischen ihnen zu richten, konnten sie ihm keinerlei Schaden zufügen, denn Gott schützte ihn vor ihrem Übel und ihren Machenschaften.
Falls der Prophet sich jedoch entschied, zwischen ihnen zu richten, so befahl ihm Gott, dies mit vollkommener Gerechtigkeit zu tun – selbst wenn diese Menschen seine Feinde waren. Gerechtigkeit sollte nicht von Sympathie oder Antipathie abhängen, sondern allein von der Wahrheit und dem, was recht ist. Diese Anweisung zeigt, dass Gerechtigkeit ein universelles Prinzip ist, das auch gegenüber Feinden und Gegnern gewahrt werden muss.
Der Vers schließt mit einer göttlichen Zusicherung: „Wahrlich, Gott liebt die Gerechten." Diese Liebe Gottes ist der höchste Lohn für jene, die in ihren Urteilen und Entscheidungen gerecht handeln, selbst wenn dies gegen ihre eigenen Interessen oder die ihrer Gemeinschaft spricht.
Gewonnene Lehren und Nutzen:
- Gerechtigkeit ist ein göttliches Gebot, das keine Ausnahmen kennt: Selbst gegenüber Feinden und Gegnern muss ein Muslim gerecht handeln. Diese Eigenschaft ist ein Zeichen wahrer Gottesfurcht und wird von Gott besonders geliebt.
- Der Prophet (Friede sei auf ihm) war nicht gezwungen, über jede Streitigkeit zu richten: Er hatte das Recht, sich zurückzuziehen, wenn er erkannte, dass die Parteien keine aufrichtige Absicht hatten. Dies lehrt uns, dass wir nicht in jede Auseinandersetzung hineingezogen werden müssen, besonders wenn die Beteiligten nicht an Wahrheit und Gerechtigkeit interessiert sind.
- Verbotenes Gut (As-Suht) ist eine schwere Sünde: Das Verschlingen von unrechtmäßig erworbenem Besitz, sei es durch Bestechung, Betrug oder Zins, ist eine Eigenschaft, die Gott hasst und die den Charakter eines Menschen verdirbt. Ein Muslim sollte stets darauf achten, nur Halal (Erlaubtes) zu erwerben und zu konsumieren.
- Gott schützt seine aufrichtigen Diener: Wenn ein Mensch sich von korrupten und lügnerischen Menschen fernhält, kann ihm deren Bosheit keinen Schaden zufügen, denn Gott ist der Beschützer der Gläubigen.
- Die Liebe Gottes ist das höchste Ziel: Wer danach strebt, von Gott geliebt zu werden, muss Gerechtigkeit üben – in Worten, Taten und Urteilen. Diese Liebe ist wertvoller als jeder weltliche Vorteil und führt zu Erfolg im Diesseits und Jenseits.
Diese Verse erinnern uns daran, dass der Islam eine Religion der Gerechtigkeit, Integrität und Reinheit ist – Eigenschaften, die das Individuum und die Gesellschaft gleichermaßen erheben und Gott näherbringen.
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