Übersetzung — Tafsir
Bedeutung der Wörter in diesem Vers:
- Bahīra (بَحِيرَة): Eine Kamelstute, deren Ohr aufgeschlitzt wurde, nachdem sie eine bestimmte Anzahl von Würfen (fünf) geboren hatte. Danach wurde sie freigelassen, durfte weder geritten noch gemolken werden.
- Sā'iba (سَائِبَة): Ein Kamel, das aufgrund eines Gelübdes freigelassen wurde und wie die Bahīra behandelt wurde.
- Wasīla (وَصِيلَة): Ein Schaf oder eine Ziege, die nach bestimmten Geburtsregeln (z.B. wenn Zwillinge männlich und weiblich geboren wurden) für die Götzen reserviert wurde.
- Hāmī (حَامٍ): Ein männliches Kamel (Zuchtbulle), das nach einer bestimmten Anzahl von Nachkommen freigelassen und nicht mehr geritten wurde.
Erläuterung des Verses:
Allah – der Erhabene – hat diese Tiere nicht als verboten erklärt, noch hat Er sie für die Menschen als unrein oder heilig eingestuft. Vielmehr sind alle diese Tiere von Allah als Nutztiere erschaffen und erlaubt worden. Die Heiden in der vorislamischen Zeit (Dschāhiliyya) erfanden jedoch selbst solche Regeln und schrieben sie Allah zu, indem sie behaupteten, Er habe sie ihnen verboten. Sie schnitten die Ohren der Kamelstuten auf, ließen bestimmte Tiere für ihre Götzen frei, reservierten bestimmte Schafe für ihre Opfer und verschonten bestimmte Zuchtkamele von der Arbeit – alles aus eigener Erfindung und ohne göttliche Offenbarung.
Allah stellt klar, dass Er niemals solche Verbote oder Einteilungen angeordnet hat. Diese Praktiken sind reine Erfindungen der Ungläubigen, die Lügen über Allah verbreiten, indem sie ihre eigenen Regeln Ihm zuschreiben. Der Großteil von ihnen besitzt keinen Verstand, der zwischen Wahrheit und Falschheit, zwischen Erlaubtem und Verbotenem unterscheiden könnte. Sie folgen blind ihren Traditionen und Vorvätern, ohne nachzudenken oder die Wahrheit zu suchen.
Lehren und Nutzen aus diesem Vers:
- Die Vollkommenheit der islamischen Gesetzgebung: Allah hat die Dinge klar geregelt und nichts ohne Weisheit erlaubt oder verboten. Er hat die guten Dinge erlaubt und die schädlichen verboten – und dies auf eine Weise, die dem Menschen Nutzen bringt.
- Warnung vor religiöser Neuerung (Bidʿa): Dieser Vers lehrt uns, dass es nicht erlaubt ist, eigene Regeln in die Religion einzuführen und sie Allah zuzuschreiben. Jede Handlung, die nicht auf dem Qur'an und der authentischen Sunna basiert, ist abzulehnen.
- Die Gefahr der Nachahmung ohne Wissen: Der Vers zeigt, dass blindes Befolgen von Traditionen und Autoritäten ohne Nachdenken zu Irrtum und Lüge führt. Der Muslim ist aufgerufen, zu lernen, zu verstehen und zwischen Wahrheit und Falschheit zu unterscheiden.
- Die Barmherzigkeit Allahs: Allah hat den Menschen die Dinge leicht gemacht und ihnen keine unnötigen Lasten auferlegt. Die Erfindungen der Heiden brachten nur Härte und Einschränkungen – der Islam hingegen bringt Erleichterung und Segen.
- Die Wichtigkeit des Verstandes: Der Islam fordert den Menschen auf, seinen Verstand zu gebrauchen, um die Wahrheit zu erkennen. Diejenigen, die ihren Verstand nicht nutzen, bleiben in Dunkelheit und Irrtum.
- Die Ablehnung von Aberglauben: Der Vers verwirft alle Formen von Aberglauben und unbegründeten Traditionen, die keinen göttlichen Ursprung haben. Der Muslim soll sich nur an das halten, was Allah und Sein Gesandter (Frieden und Segen seien auf ihm) angeordnet haben.
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